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Die Prignitzer Natur

In der abseits von großen Städten und Verkehrsströmen liegenden Prignitz blieb andernorts längst vergangene Naturschönheit bewahrt. Da gibt es nicht nur die weite Elbtalaue mit Wiesen, Weiden und reicher Vogelwelt sondern auch den Stavenower Wald mit prachtvollen Eichen, Buchen und Kiefern, die ebenfalls bewaldeten und kaum begangenen Kolreper Berge, dazu die Flüsschen wie Stepenitz, Löcknitz und Dosse mit ihrem anmutigen Wechsel von Wiese und Gehölz. Auf einsamen Friedhöfen schlagen Nachtigallen, im Teich steht der Graureiher. Scharen von Kranichen suchen auf den Feldern nach Resten der letzten Maisernte.

Das Luch bei Demerthin

Das Luch bei Demerthin

Die Elbtalaue

Die Elbtalaue

Einige Vögel stelle ich im Folgenden vor:

Nachtigallen

Nachtigallengesang gehört zu den Schätzen der Prignitz. Überall da wo es dichtes Gebüsch gibt, in Parkanlagen, in Obstgärten, auf Friedhöfen hören wir Nachtigallengesang.

Warum reden wir eigentlich von "Frau Nachtigall"? Selbstverständlich singt der mit lauter Stimme sein Revier abgrenzende Nachtigall. Diesen unscheinbaren Vogel erkennen wir am braungrauen Gefieder, an den oft hängenden Flügeln und dem erhobenen rostroten Schwanz. Das Weibchen legt im Mai seine 5-6 olivgrünen Eier in das kunstlos im altem Laub oder im niedrigen Geäst gebaute Nest, die dann von beiden Eltern bebrütet werden. Im Juni schlüpfen die Jungen und erlernen jetzt ihren Gesang. Wirklich - die jungen Nachtigallen verfügen zwar über eine spezifische Aufnahmebereitschaft, müssen jedoch ihren arteigenen Gesang lernen. Wenn sich irgendwo ein guter Sänger hören lässt, steigt bald das Gesangniveau aller Nachtigallen in der Umgebung. Das "Schlagen", "Ziehen", "Schluchzen" und "Schmettern" gehört zu jedem Nachtigallgesang. Jedoch lassen sich bei guten Sängern mehr als zwanzig Strophen unterscheiden. Wegen dieser unterschiedlichen Gesangqualität lohnt es, am Schloss Stavenow, am Stift Marienfließ, in Streesow und in den Parks von Groß Pankow, Rühstädt, Gadow und Laaske und an vielen anderen Plätzen den Nachtigallen zu lauschen, die sich vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hören lassen. Nach Sonnenuntergang, wenn Schwarzdrossel und Buchfink schweigen, vernehmen wir den allerschönsten Nachtigallengesang.

In der zweiten Junihälfte verstummen die Nachtigallen. Fast unbemerkt hüpfen die Vögel dann auf der Suche nach zarten Insekten durchs Laub oder spähen im Gesträuch nach reifen Beeren. Ende August oder Anfang September fliegen sie gen Süden, überwintern im afrikanischen Regenwald, um in der zweiten Aprilhälfte zurückzukehren und uns mit ihrem ersten, noch schüchternen Gesang zu erfreuen.

Auch der den Nachtigallen verwandte Sprosser brütet in der Prignitz. Seinem weniger abwechslungsreichen Gesang fehlt das schluchzende "hü hü hü hü" der berühmten Verwandten.

Die Nachtigall

Die Nachtigall

Kraniche

Während meiner Fahrten durch die Prignitz sah ich häufig durch ihre über den kur-zen Schwanz herabhängenden Federbüscheln unverkennbaren Kraniche, diese gro-ßen, grauen Vögel mit schwarzem Kopf und Kehle und rotem Scheitel. Im Herbst und im Frühjahr stehen sie in Scharen auf prignitzer Feldern, meist auf abgeernteten Maisfeldern, um sich dort sattzufressen ehe sie ihren Zug fortsetzen. Im Frühjahr se-hen und hören wir sie gewaltig trompetend über Dorf und Weiden fliegen. Es ist schwer, sich diesen scheuen und wachsamen Vögeln zu nähern, fahrende Autos be-achten sie nicht, doch so bald das Auto anhält, sind sie auf und davon.

Wenn es dunkel wird, fliegen sie zum Breetzer See und anderen Gewässern der Elb-talaue oder auch ins Dannenwalder Luch, wo sie im flachen Wasser stehend vor Fuchs und anderen Feinden sicher sind. In der Elbtalaue bei Lenzen leben auch Scharen von Jungfernkranichen, also Klubs von jugendlichen Kranichen, dieser erst im Alter von vier oder fünf Jahren zu Fortpflanzung schreitenden Vögel.

Die meisten Kraniche besuchen die Prignitz als Zugvögel. Doch auch im Sommer sah ich gelegentlich Kraniche, denn einige Paare nisten im dichten Buschwerk sump-figer Wälder oder in nasse Erlenbrüchen. An einem schönen Maienmorgen erfreute mich bei Gadow ein Kranichpaar, das begleitet von seinem wie ein grauer Federball aussehendem Jungen durchs unzugängliche Schilfgelände zog.

Der Kranich

Der Kranich

Graureiher

Graureiher sehen wir in der Prignitz häufig wie eine Statue mit angezogenem Hals unbeweglich in flachen Gewässern stehen, um dann blitzschnell einen zappelnden Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Als Fischräuber sind die Graureiher unbeliebt, doch ich liebe diese eleganten Vögel mit ihrem schicken schwarzen Federschopf und freue mich wenn ich sie im Dannenwalder Ökoteich stehen sehe.

Graureiher nisten in großen Kolonien. Bei Wittstock finden wir im Wald eine Kolonie nistender Graureiher, die dort ihre großen Nester auf hohen, durch den Kot bekle-ckerten Kiefern bauen.

Der Graureiher

Der Graureiher


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