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Zwickeltechnik

Mit der „Zwickeltechnik“ erreicht der Feldsteinbau im 19. Jahrhundert einen Höhepunkt. Schon Ende des 18. Jahrhunderts beschreibt der große Baumeister David Gilly (1748-1808) in seinem umfassenden Werk den Umgang mit Feldsteinen und erwähnt dabei die damals neue Zwickeltechnik, doch er nennt das hwer zu bearbeitende Feldsteinmaterial teuer und luxuriös und möchte es nur für Wasserbauten wie Schleusen und Brunnen nutzen. Doch trotz dieser Warnung des großen Sachverständigen kommt der Feldsteinbau wieder zu Ehren, denn nach den Stein-Hardenbergschen Reformen (1807-1812) entstehen im ländlichen Bereich eine Fülle neuer Gebäude: Einerseits errichten die nun selbstständigen Bauern eigene Gehöfte, zum anderen braucht die veränderte Gutswirtschaft Ställe und Scheunen. Deshalb entstammen viele der heute noch erhaltenen Dorfgebäude dem 19. Jahrhundert. Es sind vor allem Backsteinbauten, doch auch Feldsteinbauten lassen sich finden.

Die Feldsteinbauten des 19. Jh. sehen anders aus als die alten Feldsteinkirchen. Da gibt es „Feldsteinbau schlicht“ wie die 1835 aus gespaltenem Feldstein mit viel Mörtel erbaute „lange Scheune“ in Dannenwalde und den Turm der Kirche in Toppel mit etwas sorgfältiger aufgeführtem Mauerwerk. Andere, mit Hilfe der schon von Gilly geschilderten Zwickeltechnik errichteten Bauten, zeigen ein eigenwillige Gesichter: Die Maurer verlegen die gespaltenen Feldsteinen so, dass sich möglichst große Berührungsflächen zwischen den Steinen ergeben und die jeweils größte Fläche des betreffenden Steins nach unten kommt. Die dabei zwischen den Steinen entstehenden kleinen Hohlräumen bzw. “Zwickel“ füllen sie mit kleineren Steinen so, dass kein Mörtel an der Außenfläche sichtbar wird. Viele Feldstein-Zwickelbauten des 19. Jh. werden als Schalenbau errichtet: Die Außenmauer zeigt als Schauseite das sorgsam gefügte Zwickelmauerwerk, die Innenmauer wird ohne großen Aufwand aus Feldstein oder dem porösen und damit „wärmeren“ Backstein aufgemauert und der Raum zwischen Innen- und Außenmauer mit allerlei Steinen und Mörtel gefüllt. Trotz dieses Aufbaus erreichen dies Zwickelmauerwerk mit etwa 60 cm Durchmesser bei weitem nicht die Dicke mittelalterlicher Kirchenmauern. In manchen Fällen liegen Außenmauer und Innenmauer direkt aneinander.

Die Zwickeltechnik bringt Probleme mit sich: Weil der Zwickelstein die großen Steine verkeilt und damit wesentlich zur Standfestigkeit des Gebäudes beiträgt, darf er nicht einfach nur im Mörtelbett verlegt werden, vielmehr lassen sich die Lücken erst verzwickeln, wenn die die darauf folgende Feldsteinschicht verlegt ist, und da der Mörtel vorm Zwickeln nicht aushärten darf, können die Bauleute am Tag nur soviel Steine verbauen wie sie auch verzwickeln können.



Modellzeichnung Zwickeltechnik-Mauerwerk Prignitz, Brandenburg, Deutschland

Abb. Modellzeichnung: Zwickeltechnik-Mauerwerk



Häufig nutzen die Maurer für eine Fläche gleichfarbige Steine und nehmen auch die Zwickelsteine vom gleichen Gestein. Die aus diesem Vorgehen resultierende einfarbige Mauer wird nur von den unregelmäßigen Umrissen der Steine belebt. Viele dieser Gebäude besitzen aus Feldstein und Backstein sorgfältig komponierte Fassaden. Zwickelmauerwerk finden wir z.B. in den Dörfern Seefeld, Buchholz und Schönebeck. Ein Stall in Buchholz bei Pritzwalk zeigt eine ansprechende Kombination von Backstein und Feldstein-Zwickeltechnik.



Zwickeltechnik Stall in Buchholz bei Pritzwalk, Prignitz, Brandenburg, Deutschland

Abb.: Stall in Buchholz bei Pritzwalk

Zwickeltechnkik Schafstall in Wolfshagen Prignitz, Brandenburg, Deutschland

Abb.: Wolfshagen Schafstall

Zwickelmauerwerk Wolfshagen, Prignitz, Brandenburg, Deutschland

Abb.: Wolfshagen Detaill des Zwickelmauerwerks

Die Erbauer der Hofgebäude in Wolfshagen, Horst/Wolfshagen und Groß Langerwisch bringen die Zwickeltechnik zur Perfektion: Auch hier sind die Fugen zwischen den Feldsteinen nur messerrückendick, kein Mörtel ist sichtbar. Wiederum werden die Steine für eine Fläche von Findlingen gleichen Gesteins gewonnen. Doch bei diesen als Mischmauerwerk errichteten Gebäuden heben sich die rot, grau oder gar schwarz gehaltenen Feldsteinflächen vom warmen Rot des in Blendgiebeln, Friesen und Konsolen kunstvoll verarbeiteten Backstein ab. Besonders sehenswert sind auf dem Wirtschaftshof der Schafstall (1863) und auf dem östlich vom Schloss gelegenen „Reiterhof“ (1867/68) der Kutschstall mit seinem basalt-schwarzen Obergeschoss. Ein schöner, auf dem ehemaligen Gutshof von Groß Langerwisch stehender, langgestreckter Pferdestall (1856) zeigt ebenfalls den Kontrast von sorgfältig gespaltenen Feldsteinen und reich gegliedertem roten Backsteinmauerwerk. Dem Baumeister wird es viel Mühe gemacht haben, geeignetes Baumaterial für solche Bauten zu beschaffen, denn jetzt galt es nicht nur große Findlinge aufzuspüren, sondern das Gestein dieses Findlings musste auch den gerade benötigten Farbton besitzen.

Alter Kuhstall in Wolfshagen Prignitz, Brandenburg, Deutschland

Abb.: Wolfshagen: Alter Kutschstall.

 Zwickeltechnik Feldstein Hofgebäude Groß Langerwisch Prignitz, Brandenburg, Deutschland

Abb. Hofgebäude Groß Langerwisch.


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