Zusammenfassung
Was bleibt von meiner Hypothese „Eiskeller könnten ältere Gemäuer in sich bergen“? Für die weitere Betrachtung entfallen die Eiskeller von Stavenow und Krampfer, weil sie nur noch in Umrissen erhalten sind, doch spricht ihre Entfernung, 400 - 500 m vom Gutshaus, dafür, dass nicht die Weglänge ihren Standort bestimmte.
Einige der von mir besuchten Eiskeller wurden, so weit ersichtlich, im Verlauf der letzten Jahrhunderte ohne Benutzung älterer Gemäuer als Eiskeller geplant und erbaut. Das gilt für Viesecke, Hoppenrade, Groß Langerwisch, Rühstädt und vielleicht auch für den Eiskeller auf dem Burgwall in Kietz: Der vermutlich um 1900 entstandene, perfekt gestaltete Eiskeller von Viesecke mit Vorraum, Kühlraum und Eisraum kann von seiner gesamten Anlage her für ein Musterstück eines relativ spät angelegten Eiskellers gelten. Der gut erhaltene und öffentlich zugängliche Eiskeller von Hoppenrade wurde vom Gartengestalter Neide zusammen mit dem Park um 1850 angelegt. Der Eiskeller von Groß Langerwisch mag derselben Epoche entstammen, er interessierte mich wegen seiner einfachen Bauart. Wegen seines größeren flachen Hügels halte ich den aus Backstein erbauten Eiskeller in Rühstädt für älter als die eben aufgeführten Keller mit ihren kleineren Hügeln. Der „Eiskeller“ auf dem Burgwall/Kietz fällt durch fehlendes Mauerwerk aus dem Rahmen der hier betrachteten Eiskeller.
Am Eiskeller in Dannenwalde lassen sich zwei Bauperioden unterscheiden: Eiskellerzugang und Eiskellerbedachung wurde in Backstein im Reichsformat gemauert. Die runde, aus Feldstein gemauerte Röhre mag einer ganz anderen Zeit angehören.
Das Interessanteste ist der Eiskeller in Seefeld, denn hier liegt der Eiskeller in einem anderen Bauwerk. Der eigentliche Eiskeller entspricht mit seinem länglichen, von Backsteinmauern überwölbten Gestalt dem Eiskeller von Groß Langerwisch, die hier jedoch in einer größeren und vermutlich viel älteren Anlage sitzt. Denn die vor dem Eiskellereingang liegenden aus Feldsteinen gehauenen Stufen haben mit dem eigentlichen Eiskeller nichts zu tun. Der sich um die Anlage ziehende, heute sehr flache, trockene Graben könnte ebenso wie die Gräben mittelalterlicher Turmhügel einst der Verteidigung gedient haben – zum Eiskeller gehört er nicht.
Die Eiskeller von Fretzdorf und Gadow mit ihren gewaltigen Hügeln sind schwer zu beurteilen: In Fretzdorf handelt es sich vermutlich um einen relativ früh aus Feldstein aufgemauerten Eiskeller, der zu seiner Isolierung besonders dick mit Erde eingepackt wurde. Merkwürdig bleiben in diesem Zusammenhang die Reste eines Grabens am Fuß des Hügels.
Der Stil der Backsteinkonstruktion des Gadower Eiskellers weist auf das 19. Jh. hin. Doch sind die Hügel der Anlagen ähnlichen Alters wie in Viesecke und Hoppenrade erheblich kleiner. Deshalb könnte zum Bau des Gadower Eiskellers eine ältere Anlage genutzt worden sein.
Wie diese Ausführungen zeigen, schwanken Rauminhalt und Hügelgröße der Eiskeller stark und auch der Aufwand, mit dem sie errichtet wurden zeigt deutliche Unterschiede. Die Standorte von Eiskeller und Turmhügel müssen unterschiedlichen Anforderungen genügen, denn die Erbauer von Eiskellern scheuten vernünftigerweise das Grundwasser. Das zeigt der Vergleich von Turmhügel und Eiskeller in Dannenwalde. Dort sehen wir den mittelalterlichen Turmhügel von einem vom Mühlenteich abzweigenden Graben umgeben – das entspricht seiner Verteidigungsfunktion. Der Eiskeller liegt nicht weit davon entfernt, aber ein paar Meter höher und damit dem Grundwasser ferner.
An Eiskeller und Turmhügel werden unterschiedlichen Anforderungen gestellt, deshalb ist der Umbau von mittelalterlichen Turmhügeln zu neuzeitlichen Eiskellern unwahrscheinlich. Da jedoch die Eiskeller von Krampfer, Stavenow und Seefeld merkwürdig weit entfernt vom Gutshaus liegen und der Eiskeller von Seefeld in einer älteren Anlage sitzt, könnten die Eiskeller noch manche Geheimnisse in sich bergen.
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