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Auf alten Landstraßen unterwegs

Eine Rundtour für robuste Fahrräder von Dannenwalde nach Demerthin und Gumtow

 

Ein Weg

Nach Demerthin

Die Umgebung von Dannenwalde eignet sich wegen des anmutigen Wechsels von Feld, Wald und Wiese vorzüglich für Fahrradtouren. Fahrradwege fehlen, doch sollen wir daran scheitern? Unter fahlblauem Märzhimmel steigen Margarethe und ich auf die in der Bekemühle/Dannenwalde geliehenen Fahrräder. Demerthin - ganz ohne von Autos befahrene Straßen lautet unsere Devise.

Wir fahren in Richtung Bärensprung. Am Dorfende, dort wo die Ruine einer dicken Pappel steht, biegen wir links in den "Alten Postweg" ein. Wirklich ein alter Postweg! Bis die Kleinbahn kam, ging die Dannenwalder Botenfrau zweimal in der Woche mit der Kiepe auf dem Rücken diesen Weg nach Kyritz, um die Post zu holen und ein paar Besorgungen zu erledigen.

Solange noch ein paar Häuser am Weg liegen ist unsere Straße geteert, dann eine kurze völlig zerfahrene Schlammstrecke - die schweren landwirtschaftlichen Maschinen bekommen alten Feldwegen schlecht - schließlich alter Postweg pur, also ein sandiger Feldweg auf dem wir gut vorankommen. Auf dem grasigen Wegrand sehen wir Schlehengebüsch und knörzlige Eichen, ringsum von Feldgehölzen belebte Felder und Wiesen.

Ein Baum auf einem Feld

Der Weg hinunter ins Luch ist gepflastert, daneben liegt ein ungepflasterter Fahrweg. Wir erleben die Struktur einer alten prignitzer Landstraße: Ein breiter, sich durch Feld, Wald und Wiese dahinziehender Feldweg, zwischendrin holperiges Kopfsteinpflaster, das den schwere Wagen ziehenden Pferden in der schlechten Jahreszeit die Überwindung einer Steigung erleichterte, daneben ein ungepflasterter Streifen, der bei gutem Wetter die Pferdehufe schonender Sommerweg.

Ein Pflasterweg

Unser Weg stößt auf die vom Bärensprung nach Gumtow führende Straße. Auf dem Schild einer Bushaltestelle lesen wir "Bahnhof Bärensprung", doch wir sehen weit und breit keine Eisenbahn. Ein Witz? Nein, vor Jahren hielt hier Pollo, die Prignitzer Kleinbahn.

Wir halten uns links und folgen der gepflasterten Straße bis Heinzhof, passieren Kläranlage und Gewerbegelände. An der Kreuzung fahren wir geradeaus und folgen damit wiederum dem alten Postweg. Unsere Fahrräder kämpfen sich wacker durch Sand und Pfützen. Doch die leicht hügelige Prignitzlandschaft entschädigt uns für manchen Unbill: Auf feuchten, von ein paar Eichen bestandenen Wiesen grast Rindvieh. Dann ein kleiner Kiefernwald. Eine Schlammspur im Rapsfeld, zeigt, dass sich eine schwere Landmaschine festfuhr. Wir werden von einem Trecker überholt. Es ist das einzige Fahrzeug, dem wir auf dem alten Postweg begegnen.

Nachdem wir ein paar Häuser und den hohen Turm des Demerthiner Schlosses sehen, wenden wir uns rechts und erreichen auf einem gepflasterten Weg (Wilhelm-Pieck-Straße) das Dorf Demerthin.

Das vor kurzem in leichtem Rosa verputzte Schloss lockt zu einem Besuch. Wir bewundern den ehrwürdigen Renaissancebau mit seinen Zwerchgiebeln und dem kräftigen Treppenturm. Im Schloss fand ein kleines Prignitzmuseum Quartier, doch fehlt bislang ein sinnvolles Nutzungskonzept für diesen schönen Bau insgesamt.

Das Schloss in Demerthin

Solch altes Schloss hat viel erlebt. Seine letzte Herrin war Adda von Klitzing (1876-1956). Mit der ihr eigenen Tatkraft hat diese früh verwitwete Frau von 1901 bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1945 das Gut Demerthin bewirtschaftet. Morgens um 7 Uhr stand die Gutsherrin auf dem Hof und teilte die Arbeit ein, später ritt sie über die Felder und sah nach dem Rechten. Da konnte es geschehen, dass sie zu einem im nassen Boden festgefahrenen Wagen kam, dessen Kutscher laut schimpfend auf die Pferde einprügelte. Adda von Klitzing - im langen Reitkleid - stieg ab, ließ ein paar Äste vor die Räder werfen, beruhigte die schweißgebadeten Pferde, ergriff die Zügel und kutschierte den Wagen vom Acker.

Im Jahr 1921 streikten die die Kühe versorgenden Schweizer. Adda von Klitzing bat den Pfarrer um Hilfe und mistete mit pastörlichem Beistand den Kuhstall aus. Seitdem galt die angesehene Schossherrin als "einziger Mann der Prignitz".

Den Nationalsozialismus lehnte Adda von Klitzing mit Entschiedenheit ab und weigerte sich, ihre Hand zum "Deutschen Gruß" zu erheben. Da sie ihre Ansicht unverhohlen äußerte, holte die Gestapo sie ab und steckte sie für einige Tage ins Gefängnis.

(Mehr zu den Klitzingfrauen unter der Rubrik Dörfer/Demerthin)

Nahe des Schlosses steht die aus Feldstein gebaute spätgotische Dorfkirche. Im Inneren finden wir einen Barockaltar mit einem triumphierend die Fahne schwenkenden Christus und posaunenden Engelchen sowie erstaunliche mittelalterliche Wandmalereien.

Eine Wandmalerei in der Dorfkirche

(Mehr zum Dorf Demerthin finden sie unter der Rubrik Dörfer/Demerthin)

Kirchenschlüssel in der Baracke am Schloss oder Ev. Pfarramt Gumtow 033977-80282

Aus dem Rund des Dorfkernes von Demerthin führt ein Feldweg durch feuchte Wiesen zu der unter Buchen liegenden Klitzingschen Familiengrabstelle. Die Gräber liegen leicht erhöht - vielleicht stand hier ein mittelalterlicher Rittersitz? Ein sehr alter niedriger Wall umgibt diesen Platz in weitem Bogen.

Durch Wilhelm-Pieck-Straße und altem Postweg kehren wir zurück. Margarethe breitet ihr rotes Regencape über das Gras am Wegrande. Wir sitzen im Sonnenschein und lassen es uns gut gehen. Über uns tirilieren Lerchen. Kein Mensch weit und breit.

Weiter geht's. Wir finden den nach Gumtow führenden Abzweig unseres Feldweges. Bald erfreut uns ein weiter Blick über Wiese, Feld und Baum in dunstigem Licht. Noch ein Wäldchen, an dessen Rand viele Schneeglöckchen blühen, dann erreichen wir Gumtow.

Ein Waeldchen

Durch Gumtow und über den Karpathenweg

Unser Weg mündet am nördlichen Ausgang des alten Bauerndorfes. Wir steigen ab und durchwandern den Ort. Rechts und links Bauernhäuser. Einige alte Haustüren erfreuen unser Auge. Ein Haus, Karl-Liebknechtstraße, mit vorspringendem Obergeschoss besitzt wie die Torhäuser in Schönhagen eine Durchfahrt und daneben den Eingang. Ein schönes altes Fachwerkhaus!

Ein Fachwerkhaus

Die schon in einer Urkunde von 1275 erwähnte Feldsteinkirche in der Mitte des Dorfes zeigt im unteren Bereich behauene Feldsteine, weiter oben Mauerwerk des 15. Jh.. Der kräftige Turm hat die Breite des Kirchenschiffs. In der Kirche finden wir einen dunkel wirkenden Altar mit spätgotischen Schnitzfiguren und dazu etwas sehr Erstaunliches: Von der Decke hängen Fotos von Armen und Beinen, darüber ein aus Dornen oder auch Stacheldraht geflochtener Kranz, in der Mitte der jeweils kreuzförmig arrangierten Fotos die Reproduktion eines Herzens. Der bislang eher kühl wirkende Kirchenraum wird durch diese von einem Bärensprunger Künstler zusammen mit den Gemeindemitgliedern geschaffenen Kunstwerke interessant und belebt.

Die Kirche in Gumtow Der spätgotische Altar der Kirche Ein Fenster der Kirche

Am nördlichen Dorfausgang treffen wir auf die Bundesstraße 5, wenden uns rechts, und biegen nach etwa 50 m in den Karpathenweg. Rechts des Wegs eine Autoreparaturwerkstätte, dann ein paar niedrige Gebäude: In diesen Baracken haust die Verwaltung des Amtes Gumtow. Was soll das? Schloss Demerthin steht leer und braucht dringend eine sinnvolle Nutzung!

Wir fahren auf dem Karpathenweg. Diese Verbindung zwischen Gumtow und Zarenthin findet sich schon auf der Schmettauschen Karte (18. Jh.). Also eine alte Landstraße! Zu unserer Freude finden wir wiederum einen sandigen Weg mit gepflasterten Steigungen. Es geht strikt geradeaus, mehrere Hügel hinauf und wieder hinab. Die Steigungen haben es in sich - wir kommen gewaltig ins Pusten. Links liegen im anmutig hügeligen Gelände Gehöfte des Dörfchens Zarenthin. Schließlich geht es am Künstlerhaus Bärensprung vorbei hinunter ins Luch und zurück nach Dannenwalde.

Ein Feldweg

 


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