Vehlow
Dorfkirche Vehlow - Der Sarkophag blieb leer
Vor der gotischen Feldsteinkirche ein Sarkophag: Grau, Inschrift und Wappen schwer zu erkennen. Für wen mag man dieses wertvolle Stück geschaffen haben? Die örtliche Überlieferung besagt: Der 23jährige Hans Joachim von Blumenthal, Sohn des Hans von Blumenthal, verstarb im Jahr 1686 während einer Pläsierreise zu Paris. Als hervorragender Fechter - so heißt es weiter - hatte er sich dem Fechtmeister von Paris überlegen gezeigt und war von diesem meuchlings ermordet worden. Die betrübten Eltern ließen die Sohnesleiche in einem Holzsarg nach Hause transportieren und indessen für den Sohn den wertvollen Sarkophag mit all seinen Wappen und Inschriften fertigen. Der Holzsarg reiste aus Paris an - nur leider leer. Die feierliche Beisetzung musste unterbleiben. Heute steht der unbenutzte Steinsarg im Gras vor der Kirchentür, kaum beachtet von den Kirchenbesuchern.
Die Kinder im Guthaus Vehlow hörten eine andere Geschichte zum steinernen Sarg: Die Dorothea von Blumenthal, geb. von Düringshofen spukt, weil sie nicht in dem für sie vorgesehenen Sarg, eben diesem steinernen Sarkophag, beerdigt wurde. Immer wenn eine Diele knackte, oder der Wind Äste gegen das Dach schlagen ließ, hieß es "Da spukt Dorothea von Düringshofen".
Eindrucksvolle Stories! Was hat es damit auf sich? Das Vehlower Kirchenbuch meldet, dass Hans Joachim von Blumenthal, ältester Sohn von Hans von Blumenthal, am 26. Juni 1686 im Alter von 23 Jahren in Paris verstarb und daselbst begraben wurde. In der Kirche blieb der ganzfigurige Grabstein dieses früh verstorbenen Hans Joachim von Blumenthal erhalten: Wir erblicken einen jungen Mann, sehr steif mit streng zugeknöpften Gewand, gewaltig-lockiger Haarpracht, die Handschuhe unter dem Oberarm, den Degen an der Seite. Die eingemeißelten Daten bestätigen den frühen Tod des jungen Mannes.
Eine sorgfältige Untersuchung des Sarkophags hilft weiter: Die Namen Hans von Blumenthal und Friederike Dorothea von Düringshofen samt Wappen und einigen Bibelsprüchen lassen sich entziffern - eine Jahreszahl dazu fehlt. Also war der Steinsarg nicht für den jung verstorbenen Sohn, sondern für Die Mutter vorgesehen. Da ihr Todesdatum nicht eingemeißelt wurde, bleibt offen, ob sie je darin beerdigt wurde. Zusammen mit anderen Särgen soll der steinerne Sarkophag in einem Gewölbe gestanden haben. Die anderen, nicht so wertvollen Särge wurden beerdigt und nur der wertvolle steinerne Sarkophag aufgestellt.
Die Wappen des Hans von Blumenthal (vor 1640-1701) und seiner Ehefrau Dorothea von Düringshofen im Inneren der Vehlower Kirche bezeugen, dass wir diesem Paar die um 1680 geschaffene wohl erhaltene Innenausstattung dieser kleinen Dorfkirche verdanken. Die figurenreichen Malereien auf Kanzel, Beichtstuhl, Patronatsgestühl und Empore zeigen die Evangelisten, erzählen die Passionsgeschichte und verdeutlichen die zehn Gebote. Der Gutsherr hatte auf seinem Platz in der Patronatsloge die Malereien an der Empore mit den 10 Geboten vor Augen. Der Tanz um das goldene Kalb verdeutlicht das 1. Gebot "Ich bin der Herr Dein Gott, Du sollst nicht andere Götter haben neben mir". Wollte der Patronatsherr die Illustrierung des 7. Gebotes "Du sollst nicht stehlen" verstehen, so musste sich gründlich mit dem alten Testament beschäftigen, denn hier wird Achan gesteinigt, der unrechtmäßig Gold und Silber an sich genommen hat. (Jos. 7). Die weiblichen Glieder der dörflichen Gemeinde - in der alten Dorfkirche saßen die Frauen links, die Männer rechts - sahen vor sich an der Kanzel die Gestalten der Evangelisten. Eine Besonderheit der Vehlower Kirche ist der alte Beichtstuhl, dessen Bilder z.B. mit dem im Sande malenden Jesus, vor ihm die Sünderin, Sünde und Sündenvergebung verdeutlichen.
Der sehr viel ältere gotische Flügelaltar wurde durch einen Aufsatz mit den drei Kreuzen von Golgatha in die Spätrenaissance-Ausstattung einbezogen. Es lohnt diesen Altar genau zu betrachten: Zwei Engel krönen die auf einer zart angedeuteten Mondsichel stehende Jungfrau Maria. An ihrer Seite, der Ritter Georg mit seinem getöteten Drachen schaut unglücklich drein. Zwischen den Figuren auf schmalen Leisten vier weibliche gekrönte Heilige. Erstaunlich wirkt die geschnitzte Predella: Die Beine des zu Grabe getragenen Christus ragen nach vorn aus dem Leichentuch heraus, hinter dem Leichnam der Evangelist Johannes, Maria Magdalena mit Salbgefäß und Nikodemus, an der Kopfseite Joseph von Arimathäa.
(weiteres finden sie unter der Rubrik Highlights)
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