Schmolde
Ich fahre gern nach Schmolde: Das alte Bauerndorf mit seinen gepflegten Vorgärten und doppelter Lindenallee wirkt freundlich. Die schlichte Fachwerkkirche mit verbret-tertem Dachturm inmitten des Dorfes lohnt einen Besuch, denn wir sehen einen aus barockem Kanzelkorb, gotischer Predella und gotischen Schnitzfiguren - Petrus und Paulus - zusammengesetzten Kanzelaltar und dazu einen prachtvollen Taufengel mit Palmzweig und Muschelschale. Hinzu kommen die bemalte Westempore und an der Nordseite das alte Patronatsgestühl. Diese kostbare Ausstattung ist mit vielen bemerkenswerten Details bewundernswert. Doch vor allem liebe ich den lichten und harmonischen Raum mit seiner bemalten Balkendecke.
Die Fachwerkkirche in Schmolde
Altarraum in der Kirche zu Schmolde
Empore
Einem Blitzschlag verdankt dieser Raum seinen besonderen Charme: Zwei Jahrhun-derte hatte die um 1700 errichtete Kirche unbeschädigt überdauert. Doch im Früh-sommer des Jahres 1927 schlug ein Blitz in die Kirche ein und schleuderte die Schindeln des Turmdaches herab, so dass Balken und Turmspitze frei gen Himmel starrten. Alle Kirchenfenster waren zerstört und ihre Rahmen nach außen gebogen. In den Wänden klafften breite Spalten. Das Gotteshaus musste vollständig erneuert werden. Und dies Wunder geschah: Dank der Opferwilligkeit der Gemeinde, der tüchtigen Arbeit der ansässigen Handwerker, dem Beistand der Kirchenbehörden, der Fürsorge des langjährig in der Gemeinde tätigen Pfarrers Seehaus und und vor allem dank des Wirkens der Patronin Magdalene Gräfin Harrach, geb. von Rohr-Wahlen-Jürgaß (1881-1945) konnte das Gotteshaus schon am 10. November 1928wieder eingeweiht werden.
Die Patronin Magdalena Gräfin Harrach, geb. von Rohr-Wahlen-Jürgaß
Wer war die Frau, die sich so tatkräftig für die Kirche einsetzte? Das Dorf Schmolde gehört in den großen Besitzkomplex der durch Jahrhunderte in Meyenburg ansässigen Familie von Rohr. Nachdem in Schmolde Land und Besitz der Rohrs längst ab-handen gekommen waren, lag doch das Patronat noch bei der oben genannten Magdalene Harrach. Denn die in Meyenburg aufgewachsene, mit der Kirche von Schmolde von Jugend auf vertrauten Frau war nach dem Tod ihres Bruders im ers-ten Weltkrieg die letzte Rohr aus dem Meyenburger Haus. Nach dem Blitzschlag im Mai 1927 machte diese Kirchenpatronin, damals schon verwitwete Mutter von sieben Kindern, die Wiederherstellung der Kirche zu ihrer Herzensangelegenheit. Sie sam-melte Gelder, rang mit den kirchlichen Behörden und konnte erreichen, dass der an-gesehene Berliner Fachmann, Robert Sandfort mit der Innengestaltung beauftragt wurde. Noch heute zeugt die Schönheit der Schmolder Kirche vom Engagement die-ser beherzten Frau.
Der Taufengel von Schmolde
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