Kloster und Damenstift Heiligengrabe
Etwas Geschichte
Eine mittelalterlich-judenfeindliche Legende besagt: Ein Jude habe aus der Kirche des Dorfes Techow (heute Heiligengrabe) Hostien geraubt und sie und an einer Galgen- und Richtstätte vergraben. Die so entweihten Hostien bluteten. Das an den Fingern des Juden haftende Hostienblut ließ sich nicht abwaschen und verriet den Frevler, der seinen Häschern vor seiner Hinrichtung das "Grab" der blutenden Hostien zeigte. Die blutenden Hostien wurden nach Pritzwalk gebracht. Doch stellten sich die erwarteten Wunder erst ein, nachdem Bischof Heinrich von Havelberg die Hostien an die Stelle ihres "Grabes" zurückbringen ließ. Als Markgraf Otto V (1244-1298) die wundertätigen Hostien besuchte, befahl ihm eine Stimme im Traum, an dieser Stätte ein Nonnenkloster zu errichten. Auf die Bitte des Markgrafen kamen im Jahr 1287 zwölf Nonnen aus dem Zisterzienserinnen-Kloster Neuendorf in der Altmark und begründeten das neue Kloster.
Andere Erwägungen werden bei dieser Klostergründung eine Rolle gespielt haben: Da die kriegsführenden Parteien in dieser gottesfürchtigen Zeit Übergriffe auf Klöster, insbesondere auf Frauenklöster, scheuten, trugen Frauenklöster zur Absicherung der Grenze zum nahen Mecklenburg bei. Auch die Lage des neu gegründeten Klosters an der von der Altmark über Stargard zur Ostsee führenden Heer- und Handelsstraße war günstig. Schließlich diente das Kloster Heiligengrabe den brandenburgischen Markgrafen als Ablager, in dem diese noch ohne feste Residenz lebenden Fürsten über Wochen verweilten.
Da im Denken und Trachten des mittelalterlichen Menschen Vorstellungen vom Leben nach dem Tod, von ewiger Seeligkeit und höllischem Feuer eine wesentliche Rolle spielten, besaßen die betenden Nonnen eine wichtige Funktion: Durch strenge Klausur gegen alles Äußerliche abgeschirmt hatten sie das Zeitliche verlassen und waren der göttlichen Gnade nah. Viele Familien gaben ihre Kinder schon im zarten Alter ins Kloster, damit sie ein Leben lang für ihre in der Weltlichkeit gebliebenen Angehörigen beteten. Die Toten waren in die Gebetsgemeinschaft aufgenommen - für sie wurden Messen gelesen. Auch den im Gebet mit den Nonnen verbundenen Wohltätern und den Markgrafen von Brandenburg als Stifter des Klosters galt die Heilszusage. So stiftete im Jahre 1468 der Ritter Werner von Bülow dem Kloster 100 Mark Lübische Währung, damit er und seine Familie der guten Werke des Klosters teilhaftig würden.
Armut, Arbeit, Demut, Gehorsam und strenges Fasten bestimmten das Leben in solch einem Zisterzienserkloster. Viermal rief die Glocke nachts zum Gebet. Kostbare Stickereien zeugen heute noch vom Fleiß der Klosterfrauen.
Ein Besuch des Grabes der wundertätigen Hostien machte Kranke und Leidende gesund. Er versprach Ablass von Kirchenstrafen - das Wunder der blutenden Hostie trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung von Heiligengrabe bei! Das Kloster wurde reich und besaß schließlich 24 Dörfer, über Breitenfeld und Langnow bis hin nach Kolrep , dazu Damelack , Bölzke , Könkendorf , Rapshagen . In Halenbeck stellten Heiligengraber Klosterleute Butter und Käse her.
Als der zum evangelischen Glauben übergetretene Kurfürst Joachim II die neue Lehre im Kloster Heiligengrabe einführen wollte, stieß er auf heftigen Widerstand. Unter der Äbtissin Anna von Quitzow - ist es dieselbe Anna von Quitzow, deren Bild wir in der Rühstädter Kirche sehen? - widersetzten sich die Nonnen und suchten Schutz in der bischöflichen Burg in Wittstock . Doch nach dem Tod des fest im alten Glauben stehenden Bischofs mussten sie Abbitte leisten und durften wieder ins Kloster einziehen.
Aus dem Kloster wurde ein evangelisches Damenstift. Adlige Familien der Prignitz und des nahen Mecklenburgs kauften ihre unverheirateten Töchter ein, die sich als Stiftsdamen der Armen- und Krankenfürsorge widmeten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begründete die tatkräftige Abtissin von Schierstedt ein Internat nebst Schule, das bis zum Ende des zweiten Weltkrieges bestand. 1946 wurde ein Diakonissenhaus mit Pflegeheim und Paramentenwerkstatt im Stift untergebracht.
Ein Gang durchs Kloster:
Grabkapelle
Im Mittelpunkt eines Klosterbesuchs steht die Heiliggrabkapelle (Blutkapelle). Wir finden einen von spätgotischem Sterngewölbe geschmückten Innenraum. Die aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammende Ausmalung stellt die Klostergeschichte dar. Hier, in der Heiliggrabkapelle entdeckten Handwerker beim Einbau einer Fußbodenheizung die Stätte mittelalterlicher Anbetung und Verehrung. Das die Hostien und damit den Corpus Christi bergende "Heilige Grab" ist ein aus Ziegeln gemauertes kleines Grabgewölbe. Herbei gerufene Archäologen fanden noch tiefer gelegene Skelette zweier gewaltsam zu Tode gebrachter Menschen. Wir erinnern uns: Der Hostiendieb vergrub seinen Raub auf einer Richtstätte.
Die große Klosteranlage ist vollständig erhalten: Die schönen Giebel an der Ostseite der Abtei strahlen Würde aus. Die Stiftskirche besitzt ein schönes, glasierten Ziegeln gerahmtes Westportal. Links neben der Kirche liegt der Zugang zur Klausur: Wir wandern durch den Kreuzgang, sehen das Refektorium mit seinem altem Gewölbe und freuen uns am stimmungsvollen Klosterhof.
Stiftsgebäude
Über dieser Klosterschönheit sollten wir die Besichtigung des westlich des Klostergebäudes gelegenen Damenplatzes nicht versäumen. Die Stiftsdamen bewohnten diese aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Fachwerkhäuser bis zum Jahre 1945. Nach Voranmeldung können wir im "Lindeiner-Haus" eine Paramenten-Werkstatt besichtigen, die im Gottesdienst benötigte Textilien herstellt und damit uralte Traditionen klösterlicher Arbeit wieder aufnimmt.
Museum Heiligengrabe
Das Museum zeigt die Klosterbibliothek mit ihrem wertvollen Bestand an Büchern aus dem 18. Jh. und eine Ausstellung "Lebenswerke - Frauen im Kloster zum Heiligengrabe zwischen 1847 und 1945".
Anschrift:
Kloster Stift zum Heiligengrabe
Stiftsverwaltung, Stiftsgelände 1
16909 Heiligengrabe
Telefon: 033962-8080; Fax: 033962-80830
E-mail: klosterstiftzumheiligengrabe@t-online.de
Angebote des Klosters:
- Einkehrzeiten zur Fastenzeit, zu Ostern und zur Jahreswende,
- Einstimmung in die Zeit des Advents
- Wochenenden für Frauen
- Tage im Kloster mit Schweigeweg im Kreuzgang, klösterlich einfachem Mittagesessen, Museumsbesuch;
- Mo. - Fr. 12.00 Mittagsgebet
- Seminare zu Fragen des christlich-jüdischen Gespräches,
- Wochen unter der Benedektinerregel "Ora et labora"
- Sommerkonzerte von Mai bis August, Sonnabend 19.00 Uhr
Unser Tipp: Im Klosterhof finden Sie angenehmes Nachtquartier und gutes Essen. Klosterhof, Stiftsgelände 1 16909 Heiligengrabe; Tel./Fax 033962-50926
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